Leichtigkeit in den Wechseljahren

Über Wandel, Humor und Selbstbild

Wechseljahre sind mehr als Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen. Oft beginnen sie unauffällig: mit einem unregelmäßigen Menstruationszyklus, mit körperlichen Veränderungen, die sich nicht sofort einordnen lassen. Sie markieren eine Zeit des Wandels – körperlich, emotional und mental. Und ja, es ist nicht leicht, all das anzunehmen. Für viele Frauen ist diese Phase zunächst irritierend, verunsichernd, manchmal auch schmerzhaft.

Mit der Zeit kann sich etwas verschieben, wenn wir beginnen, darüber zu sprechen. Mit anderen Frauen, die sich in einer ähnlichen Lebensphase befinden. Über das, was sich verändert, was fremd wird, was Fragen aufwirft. Und manchmal auch über das, was daran – mit etwas Abstand – eine gewisse Komik hat. Nicht, um es kleinzureden. Sondern um festzustellen: Das ist kein persönliches Scheitern, sondern Teil eines gemeinsamen Erlebens.

Der Wandel kann intensiv sein. Gefühle werden stärker, der Schlaf leichter, der Körper weniger verlässlich. Wir entdecken Haare an Stellen, an denen wir sie nicht haben wollten, und merken, dass vertraute Kleidung nicht mehr passt. Das kann belasten und verunsichern. In solchen Momenten kann Humor hilfreich sein. Nicht als Abwehr oder Verdrängung, sondern als Möglichkeit, innerlich einen Schritt zurückzutreten. Leichtigkeit meint hier keine Gleichgültigkeit, sondern eine gewisse Beweglichkeit im Umgang mit dem, was sich nicht ändern lässt.

„Ändere, was du ändern kannst, und akzeptiere, was du nicht ändern kannst – und lerne, dazwischen zu unterscheiden.“ (angelehnt an Epiktet) Dieser Gedanke wirkt oft unspektakulär, kann aber Orientierung geben. Nicht alles muss weiter korrigiert oder optimiert werden. Manche Vorstellungen verlieren im Lauf der Zeit ihre Bedeutung – auch wenn dieser Abschied nicht leichtfällt.

Humor kann den Blick weiten, ohne etwas zu beschönigen. Er macht aus dem eigenen Erleben keine Geschichte mit Pointe, sondern erlaubt ein kurzes Innehalten. Ein Lächeln über das Absurde, das Ungeplante, das Unpassende. Gerade dort, wo Kontrolle fehlt.

Die Wechseljahre konfrontieren viele Frauen mit Erwartungen, die lange selbstverständlich waren. Bilder von Weiblichkeit, Attraktivität, Leistungsfähigkeit. Wenn diese Bilder brüchig werden, ist das selten ein rein gedanklicher Prozess, sondern ein emotionaler. Und der verläuft selten geradlinig.

Leichtigkeit entsteht dabei nicht dauerhaft, sondern punktuell. In Gesprächen. In Momenten der Selbstironie. In der Erfahrung, dass andere Ähnliches erleben. Sie ist kein Zustand, sondern eine Bewegung – ein kurzes Aufatmen innerhalb eines anspruchsvollen Prozesses.

Vielleicht beginnt Leichtigkeit genau dort, wo wir aufhören, diesen Wandel als etwas zu betrachten, das wir „in den Griff bekommen“ müssen, und anfangen, ihm mit Offenheit, Humor und einem wohlwollenden Blick auf uns selbst zu begegnen.

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